News – INTERVIEW/Kabel Deutschland:
‘Wir werden als Telekomunternehmen ernst genommen’

Adrian von Hammerstein
MÜNCHEN/DÜSSELDORF (dpa-AFX) – Der Kabelnetzbetreiber Kabel Deutschland positioniert sich mehr und mehr in der Telekom- branche. “Wir werden heute schon als Telekomunternehmen ernst genommen”, sagte Adrian von Hammerstein am Montag im Gespräch mit der Finanznachrichtenagentur dpa-AFX vor der”Handelsblatt-Konferenz” Telekommarkt Europa” und betonte: “Telekommunikation ist für uns ein strategischer Schwerpunkt. Wir machen das nicht nur so nebenbei.” In Zukunft wolle er “so viele Kunden wie möglich” werben. Ende März hatte Kabel Deutschland 8,9 Millionen Kunden, davon nutzen rund eine Million Kunden die Telefon- und Internetprodukte des Kabelnetzbetreibers.
Eingriffe der Regulierungsbehörde fürchtet von Hammerstein nicht: “Wir sind die Quelle für echten Infrastrukturwettbewerb.” Erst die Konkurrenz der Kabelnetzbetreiber, zeigt sich Hammerstein sicher, habe die Telekomkonzerne in Deutschland dazu gebraucht, über Glasfaserausbau nachzudenken. “Es wäre fahrlässig, ein kleines Pflänzchen, das gerade anfängt aufzublühen, mit Regulierung zu ersticken.”
Der Glasfaserausbau in Deutschland wird in der Branche heiß diskutiert: Bis 2014 sollen nach den Plänen der Bundesregierung drei Viertel der Haushalte in Deutschland mit Bandbreiten von 50 Megabit je Sekunde versorgt werden, das ist nur mit der teuren Glasfasertechnologie möglich – oder mit den aufgerüsteten Breitbandkabelanschlüssen. “Die Politik hat verstanden, dass die Ziele der Breitbandstrategie der Bundesregierung ohne den Beitrag von Kabel nicht zu realisieren sind”, argumentiert Hammerstein. “60 Prozent der 40 Millionen Haushalte in Deutschland sind heute mit aufgerüsteten Kabel ausgestattet. Das heißt, wir können bereits Bandbreiten von 32 Megabit je Sekunde liefern.” Kabel Deutschland stellt derzeit sein Netz auf die Technologie DOCSIS 3.0 auf, die Übertragungsraten von bis zu 100 Megabit verspricht. Bis Sommer 2012 sollen alle von Kabel Deutschland mit Internet versorgten Haushalte die schnelleren Leitungen haben.
Die Aufrüstung von bestehenden Kabelanschlüssen sei ungleich günstiger als der Aufbau eines flächendeckenden Glasfasernetzes für das bis zu 30 Milliarden Euro notwendig wären, so von Hammerstein. “Volkswirtschaftlich wäre es reiner Unsinn, diese Infrastruktur, die wir schon im Boden haben, nicht optimal zu nutzen.”
Bislang, so die Zahlen des Branchenverbands VATM stellen die Kabelnetzbetreiber rund ein Fünftel der Breitbandanschlüsse in Deutschland (Stand 2009). Telekom-Chef René Obermann forderte deshalb zuletzt immer wieder, die Kabelnetzbetreiber mit in die Regulierung zu nehmen. Hammerstein argumentiert hingegen, von einer “deutlichen Marktmacht”, der Voraussetzung für Zugangsregulierung, könne keine Rede sein. “Davon sind wir noch weit entfernt.”
Im Gegenteil: “Man sollte uns auf dem Kabelmarkt konsolidieren lassen, damit wir auf Augenhöhe mit den Telekomkonzernen dieser Welt Wettbewerb treiben können”, fordert er. Kabel Deutschland hat sein Netz in 13 von 16 deutschen Bundesländern liegen und hat schon Interesse an den Netzen der kleineren Konkurrenten Primacom und Tele Columbus angemeldet. Primacom steht vor der Insolvenz, Tele Columbus bekam erst zum Jahreswechsel einen neuen Eigentümer.
“Wir haben immer gesagt, dass wir an Konsolidierungsmöglich- keiten in der Netzebene 4 interessiert sind”, sagt von Hammerstein dazu lediglich. Mit der Netzebene 4 sind die Kabelanschlüsse im Haus gemeint, die im Telekombereich der so genannte letzten Meile entsprechen. Allerdings trägt Kabel Deutschland noch eine hohe Schuldenlast mit sich. Von den Erlösen aus dem Börsengang im März sah das Unternehmen keinen Cent. Alles floss in die Taschen der Eigner, zu denen die US-Beteiligungsfirma Providence gehört.
Mit neuen Fernsehangeboten sollen die Umsätze in diesem Jahr weiter wachsen. Als Konkurrent des Bezahlsenders Sky, der Kabel Deutschland mit seinen kostenpflichtigen Programmen beliefert, sieht von Hammerstein sein Unternehmen aber nicht. Vielmehr nimmt er die Telekom mit Produkten wie Video-on-Demand und digitalen Videorekordern ins Visier. “Unsere Premium-TV-Strategie ist Entlinearisierung – ich schaue das, was ich will, wann ich will.” Damit hört sich von Hammerstein fast an wie der frühere T-Home-Chef und jetzige Telekom-Finanzvorstand Tim Höttges. “Wir treffen uns mit der Telekom in einem konvergenten Markt”, sagt der Kabel-Deutschland-Chef./gr/nl/tw
— Von Annika Graf, dpa-AFX —







